Die 9-Kuh-Frau

Eine wundervolle Geschichte

Es waren einmal zwei Freunde, die sich den Traum erfüllen wollten, mit einer kleinen Segelyacht die Erde zu umsegeln. Sie starteten guten Mutes und alles lief sehr gut. Von Zeit zu Zeit steuerten sie Häfen oder kleinere Inseln an, um Wasser und Lebensmittel zu holen.

Als sie bereits viele Wochen unterwegs waren, kamen sie zu einem Eingeborenenstamm. Der Empfang und die Gastfreundschaft waren so großartig, dass die beiden entschieden, ein paar Tage Pause einzulegen und in dem Dorf zu bleiben.

Einer der beiden Freunde wurde auf eine Frau aufmerksam und konnte seine Augen nicht von ihr abwenden. Schnell war klar, dass die Sympathie beidseitig war. Der Mann hatte nur noch die Frau im Kopf und schwärmte seinem Freund vor, wie attraktiv und strahlend sei sei und dass er nie eine schönere Frau gesehen hätte – er war völlig verrückt von Liebe. Sein Freund versuchte, ihn auch auf andere, noch schönere und strahlendere Frauen aufmerksam zu machen, aber nichts funktionierte. Schließlich beschloss der Verliebte, dieser Frau einen Heiratsantrag zu machen.

Nun war es bei diesem Eingeborenenstamm üblich, den Häuptling um die Hand einer Frau aus dem Stamm zu bitten und den Brautpreis festzulegen. Je nach den Qualitäten der Frau – Aussehen, Kochkünste, Heilwissen, gebärfreudiges Becken usw. … – bewegte sich der Brautpreis zwischen einer Kuh für eine Frau mit wenig Qualitäten und 9 Kühen für eine Frau mit maximalen Qualitäten – der perfekten Frau.

Noch nie hatte es in der Stammesgeschichte diesen Brautpreis für eine Frau gegeben.

Obwohl noch nie ein Fremder in den Stamm eingeheiratet hatte, willigte der Häuptling in die Hochzeit ein und legte den Brautpreis auf drei Kühe fest. Da sagte der Bräutigam: „Wie, nur drei Kühe? Schau dir diese Frau doch an. Sie ist auf jeden Fall 9 Kühe wert. Ich zahle 9 Kühe.“

Das irritierte den Häuptling und er erklärte, weshalb die Frau nur 3 Kühe wert sei. „Sie gehört nicht zu den Schönsten im Dorf. Ihr Heilwissen lässt sehr zu wünschen übrig und sie kann weder gut kochen noch ist sie sehr ordentlich.“

Doch der Werber blieb dabei und sagte: „Ich zahle 9 Kühe.“

Der Häuptling war noch nie mit einer derartigen Situation konfrontiert gewesen und berief den Ältestenrat ein. Nach langen Diskussionen beschloss dieser, dass der Mann die 9 Kühe bezahlen darf.

Die Hochzeit war ein rauschendes Fest und am Tag danach segelte der Freund weiter – mit dem Versprechen, nach ein paar Jahren wieder zu Besuch zu kommen.

Wie versprochen, legte fünf Jahre später eine Yacht am Steg des kleinen Dorfes an und der Mann, der von Bord ging, war ganz aufgeregt, seinen Freund wieder zu treffen.

Die erste Frau, die er sah, war eine unglaublich attraktive Frau, mit einem kleinen Kind auf dem Arm. So strahlend und schön, viel attraktiver als jede andere Frau, die er je zuvor gesehen hatte. Vor lauter Erfurcht traute er sich gar nicht, sie anzusprechen. Er fand seinen Freund, der ihn unter Jubel willkommen hieß und ihm ein köstliches Essen vorsetzte. So gut hatte der Weltreisende noch nie gegessen. Das Fleisch war zart. Die Hütte war wohnlich eingerichtet, sehr stilvoll und sie versprühte eine heimelige Atmosphäre.

Der Freund erzählte, dass seine Frau die Königin der Heilerinnen sei und bald sein zweites Kind gebären würde. „Du hast sie ja schon gesehen“, sagte der Freund, „unten am Steg.“

„Das war nicht deine Frau.“, sagte der Segler. „Die Frau dort unten war die schönste Frau, die ich je gesehen habe.“

Und während er das sagte, kam sie zur Hütte und er erkannte sie voller Staunen. „Was um alles in der Welt ist der Grund, dass du dich so radikal verändert hast?“, fragte er sie.

Sie lächelte ihr liebreizendes Lächen und antwortete: „Mein Mann hat 9 Kühe für mich bezahlt und behandelte mich jeden Tag unseres gemeinsamen Lebens so großartig, wie es nur eine 9-Kuh-Frau verdient. Also konnte ich gar nicht anders, als mich in eine 9-Kuh-Frau zu verwandeln:
Genau in die Frau, die er immer in mir gesehen hatte.“


(Geschichte von Patricia McGerr)

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