Heilfasten: Mehr Vitalität, Verjüngung und Visionen

Für eine bestimmte Zeit auf feste Nahrung und Genussmittel verzichten – dafür Körper und Geist reinigen, die Stimmung harmonisieren und sich für Kreativität und neue Lebensvisionen öffnen.

In unserer von Konsum und Reizüberflutung geprägten Zeit, gewinnt das Fasten zunehmend als wichtiges Instrument der Psychohygiene an Bedeutung – zur Vorbeugung und Heilung körperlicher wie auch seelischer und geistiger Krankheiten. Es kann bei akuten und chronischen Infektionen, bei Allergien oder Autoimmunerkrankungen eingesetzt werden. Gesunden Menschen dient es hauptsächlich zur Entgiftung und Anregung, bewusster mit den Ess- und Lebensgewohnheiten umzugehen.

Das Heilfasten ist eine alte, ganzheitliche Methode, die sowohl die medizinische, wie auch die psychosoziale und die spirituelle Dimension des Menschen berücksichtigt. Es hilft dem Menschen zunächst auf individueller Ebene, durch das Fasten in einer Gemeinschaft kann zusätzlich ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl unterstützen und den Zugang zu spirituellen Erfahrungen erleichtern.

Geschichte des Heilfastens

Dr. Otto Buchinger (1878–1966) prägte 1935 das Wort „Heilfasten“ in Anknüpfung an die Tradition des religiösen Fastens. Darunter verstand er eine Fastenmethode, die neben der körperlichen Dimension auch die psychisch-seelische und – beim Fasten in der Gruppe – die soziale Komponente berücksichtigt. „Auch in der jüdisch-christlichen Tradition wurde Fasten nie isoliert durchgeführt, sondern ging immer mit Beten (spirituelle Dimension) und Almosen geben (mitmenschliche Dimension) einher.“, so Francoise Wilhelmi de Toledo von den Buchinger Kliniken.

Im Laufe der Zeit verlor das religiöse Fasten vor Ostern mehr und mehr an Bedeutung, zumal die Menschen früher oft auch zwangsweise fasten mussten. Um die Jahrhundertwende entstand dann eine neue Bewegung, die das Fasten als freiwilliger und therapeutischer Nahrungsverzicht bewusst einsetzte. Franz Xaver Mayr aus Österreich und Otto Buchinger aus Deutschland waren die führenden Fastenärzte im deutschsprachigen Raum. Sie entwickelten eigene Methoden und führten das stationäre Fasten ein. Seit etwa 20 Jahren gibt es das Fasten für Gesunde – zum Beispiel als Fastenurlaub oder im Alltag.

Dr. Otto Buchinger konnte als 40-Jähriger eine eigene akute Gelenkentzündung durch 19-tägiges Fasten heilen und einige Jahre später ein von der Schulmedizin als fast therapieresistent betrachtetes Gallenleiden. Angeregt durch diese positiven Erfahrungen nahm er das Heilfasten in seine ärztliche Arbeit mit auf. Seine Heilfastenmethode wurde inzwischen durch drei Generationen von Ärztinnen und Ärzten stetig weiterentwickelt.

Den Fastenstoffwechsel zünden und Glücksgefühle anregen

Beim Heilfasten verzichtet der Fastende auf feste Nahrung, stattdessen stehen Gemüsebrühe, frisch gepresste Obst- und Gemüsesäfte, etwas Honig sowie reichlich Kräutertee und Wasser auf dem Plan.

Diese Versorgung zündet den Fastenstoffwechsel, die Körperzellen werden nun aus dem Fettgewebe und den Vitamin- und Mineralstoffreserven des Körpers versorgt. Die geringen Kohlenhydratmengen regen die Fettverbrennung an und helfen, dass nur wenig körpereigenes Eiweiß verbraucht wird. Vitamine und Mineralien stärken den Organismus.

Der Fastenstoffwechsel sorgt dafür, dass der gesamte Organismus gereinigt wird, Risikofaktoren für Herz und Gefäßerkrankungen wie Cholesterin, Blutfettwerte, Blutzucker und Blutdruck sich normalisieren. Trotz eines Anstiegs von Harnsäure und freien Fettsäuren im Blut wird das Bindegewebe insgesamt entsäuert. Neben dem Fettabbau und der Gewichtsreduktion gehen chronische Entzündungen, zum Beispiel von Gelenken oder des Magen-Darm-Traktes, zurück.

Auch die Stimmung harmonisiert sich, da mehr Glückshormone zur Verfügung stehen. Dabei wird der Fastende sensibler, nimmt differenzierter wahr, träumt intensiver und handelt kreativer.

Was das Fasten unterstützt

Der Fastenprozess verläuft in vier Etappen: Planung, Vorbereitung, das Fasten selbst und das Fastenbrechen mit Aufbauphase.

Die Heilkraft des Fastens kann sich am besten entfalten, wenn sie von folgenden sieben Säulen getragen wird:

  1. Ruhe und Entspannung (z. B. viel Schlafen, Autogenes Training),
  2. Bewegung (z. B. Yoga, Gymnastik, Spaziergänge, Wanderungen),
  3. Förderung der Ausscheidungsvorgänge (über Darm, Niere, Lunge, Haut, Leber),
  4. Zeiten der Stille, Meditation und Innenschau,
  5. persönliche Betreuung (je nach Bedürfnis z. B. Gesprächs- oder Kunsttherapie, Coaching, Atemübungen, Traumarbeit),
  6. individuelle Fastenzusätze (Massagen, Leberwickel, naturheilkundliche Anwendungen) und
  7. gute Nahrung für die Seele (Kreatives, Schönes, Wohltuendes).

Die optimale Wirkung erreicht man bei einer Dauer von zwei und vier Wochen, je nach individueller Befindlichkeit kann aber auch eine kürzere oder längere Fastenperiode sinnvoll sein.

Für wen ist das Fasten geeignet?

Fasten dient der Reinigung und Entschlackung sowie der Prävention bei gesunden Menschen. Es kann jedoch auch bei vielen Beschwerden, besonders bei chronischen Erkrankungen, hilfreich sein.

Als präventive Maßnahme eignet es sich zum Beispiel bei der Senkung von Risikofaktoren bei Übergewicht, Stress, Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck und Rauchen. Als Therapie kann es bei Herz- und Gefäßerkrankungen wie Arterienverkalkung, Herzinsuffizienz oder Durchblutungsstörungen Abhilfe verschaffen. Ebenso können bei Rücken- und Gelenkerkrankungen, Erkrankungen des Verdauungssystems, chronischen Lebererkrankungen und vielen weiteren Erkrankungen wie Migräne, Allergien oder Akne Verbesserungen eintreten.

Wichtig: Bei vorhandenen Beschwerden sollte das Fasten immer vorher mit dem Arzt abgesprochen werden!

Dagegen ist Fasten kontraindiziert bei extremem Untergewicht, Magersucht, dekompensierter Schilddrüsenüberfunktion, Störungen der Gehirndurchblutung, fortgeschrittener Leber- oder Niereninsuffizienz, Schwangerschaft und Stillzeit. Eine besondere Betreuung ist erforderlich bei Suchterkrankungen, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren, koronaren Herzerkrankungen, Netzhautablösung, Psychosen, Diabetes mellitus Typ 1 und bösartigen Krebserkrankungen.

Innere Harmonie und Öffnung für Visionen

Richtiges Fasten verbessert die Stimmung und das Selbstwertgefühl. Untersuchungen des Neurobiologen Gerald Hüther zeigen, dass beim Fasten sogar die Wirkung des „Glückshormons“ Serotonin verstärkt wird, das im gesamten Nervensystem für Harmonisierung sorgt. Dagegen sinken die Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol nach kurzem anfänglichem Anstieg unter den Ausgangswert, solange das Fasten freiwillig durchgeführt wird. Ein Beweis dafür, dass die innere Einstellung eine wesentliche Rolle spielt.

Der Fastenarzt Otto Buchinger beschreibt die Wirkungen folgendermaßen: „Eine Art Lösung und Lockerung des verkrampften seelischen Gefüges ist erkennbar, eine Klärung der Lage und eine höhere Feinfühligkeit. Das analytische Denken ist anfangs erschwert, die Intuition vertieft und erleichtert.“ Das Fasten kann positive seelische Stimmungen hervorrufen, die das innere Wachstum anregen. Francoise Wilhelmi de Toledo zählt das Fasten daher auch zu den Methoden, die heute zu dem Begriff „vision quest“, der Suche nach der eigenen Lebensvision, gezählt werden.

In vielen Kulturen ist das regelmäßige Fasten ein fester Bestandteil im Jahreszyklus: Im Christentum das traditionelle Fasten vor Ostern, im Judentum der wöchentliche Sabbat, in der islamischen Kultur der jährliche Fastenmonat Ramadan. Bei indianischen, afrikanischen oder australischen Volksstämmen fasten die Stammesführer rituell, wenn sie für ihre Sippe wichtige Entscheidungen treffen müssen und ihre Heiler und Schamanen verordnen Fasten bei schweren Krankheiten.

Ich wünsche dir eine befreiende und erkenntnisreiche Fastenzeit!

Alles Liebe
Karin Myria


(Fotos: pixabay)

 

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