Samhain & Allerheiligen

Samhain und Halloween werden vom 31. Oktober auf den 1. November gefeiert, am 1. und 2. November sind die kirchlichen Festtage Allerheiligen und Allerseelen.

Die heute bei uns gängigen Feierlichkeiten und Partys rund um Samhain, Halloween, Allerheiligen und Allerseelen sind eine Mischung aus verschiedenen Traditionen und Kulturen und deren Abwandlungen im Lauf der Jahrhunderte. Während im deutschsprachigen Raum früher vorwiegend Erntedank- und Ahnenbräuche im Zentrum standen, verbreitete sich seit dem Ende des 20. Jahrhunderts auch hierzulande immer mehr der Halloween-Kult.

In der Natur macht der Herbst nun dem Winter Platz. Die Bäume haben schon fast ihr ganzes Laub abgeworfen, viele Tiere gehen in den Winterschlaf, die Zugvögel sind schon unterwegs … und bald fällt der erste Schnee. Es wird kälter und dunkler und wir Menschen ziehen uns nun mehr in unsere Häuser zurück.

pumpkins-19533_640Samhain, das Sommer-Ende

Der Begriff Samhain, manchmal auch Samhein geschrieben, stammt von den Worten „sam“ und „f(u)in“ ab, die übersetzt soviel wie „Sommer-Ende“ heißen. Diese Bedeutung und die Feierlichkeiten zum Ende des Sommers kennen heute nur noch wenige Menschen. Seit den 1990er Jahren haben die Bräuche rund um Halloween die zuvor üblichen Traditionen sehr überlagert.

Doch es gibt noch eine weitere Bedeutung des Begriffes. Samhain steht auch für die Heilige Hochzeit des Jahreskreiskönigs, der Herrscher über die Fruchtbarkeit des Landes, mit der heiligen Erdenmutter. Durch die Vereinigung mit der Erdenkönigin, der Verkörperung des Erdbodens, wird der König für ein Jahr in seine Position geweiht. Ursprünglich verstand man unter der Heiligen Hochzeit die Befruchtung der Erde durch die Sonne, um neues Leben zu zeugen. Das Schicksal des Sonnenkönigs war es jedoch auch, am Ende des Sommers sein Leben zum Wohle aller hinzugeben, um einem jüngeren König den Platz frei zu machen. So steigt er zu Samhain hinab in das Reich des Todes, wo er auf seine Wiedergeburt wartet.

Samhain – das keltische Neujahr

Die Nacht auf den 1. November, der Wechsel vom Monat Oktober in den November, vom Herbst in den Winter, spielt in Nordeuropa schon seit der Antike eine wichtige Rolle. Bei den Kelten stand das Fest Samhain für diesen bedeutsamen Übergang von der herbstlichen Erntezeit in den Winter. Daher waren auch Erntedank-Bräuche ein wesentlicher Bestandteil. Der letzte Oktobertag war bei ihnen gleichzeitig auch der letzte Tag des Jahres. Die Menschen feierten den Jahreswechsel entsprechend ausgelassen und fröhlich.

bird-676862_640Ahnen- und Geisterkulte

In diesem Übergang von einem Jahr zum nächsten sind die Schleier zur Anderswelt besonders dünn – ähnlich wie in anderen Übergangszeiten, etwa der Walpurgisnacht oder den Raunächten. Während solcher Phasen können die Wesen der Geistwelt besonders leicht Kontakt mit den Lebenden aufnehmen sowie die Menschen auch mit der Anderswelt. Es sind Phasen, in denen die üblichen Naturgesetze und Ordnungen auf der Erde nicht wirksam sind.

Die Kelten waren überzeugt, dass zu Samhain die Geister der Toten zu ihren alten, irdischen Wohnstätten zurückkehren. Daher stellten sie ihnen Speisen und Getränke vor das Haus.
Da auch die Ängste vor bösen Geistern zu diesen Zeiten groß waren, sollten diese mit großen Feuern und gruseliger Verkleidung verschreckt und vertrieben werden.

Die christliche Kirche übernahm diese Bräuche, jedoch nur teilweise. Papst Gregor IV. erliess im Jahr 837 den Beschluss, dass am 1. November nicht mehr das heidnische Samhain, sondern das christliche Allerheiligen stattfinden sollte. Statt der Geistervertreibung gab es nun die Verehrung der Heiligen. Das Maskieren war zwar nicht verboten, durfte jedoch nicht mehr zur Geistervertreibung eingesetzt werden.

pumpkin-1005056_640Halloween

Der Name Halloween leitet sich von „All Hallows Eve“ ab. Es ist die Nacht des 31. Oktobers, die Nacht vor Allerheiligen am 1. November. So wie man auch den Heiligabend als „Christmas Eve“ bezeichnet.

Die Bräuche rund um Halloween sind ursprünglich im katholischen Irland entstanden. Irische Auswanderer brachten sie später in die USA und pflegten sie weiterhin, so dass sie sich auch dort lebendig weiterentwickelt haben.

Seit den 1990er Jahren kam die amerikanische Halloween-Linie auch in den deutschsprachigen Raum und die Bräuche vermischten sich mit denen hierzulande. Die früher üblichen Rübengeister beispielsweise wichen den Kürbisgeistern. Seit dieser Zeit sind auch Kürbisse aller Art sehr beliebt – ob zu Gemüse, Suppen, Marmelade oder Kuchen verarbeitet. Heute gibt es einen regelrechten Halloween-Boom hierzulande.

cemetery-577226_640Allerheiligen und Allerseelen

Seit dem 9. Jahrhundert wird jedes Jahr am 1. November Allerheiligen gefeiert, ein Hochfest der katholischen Kirche. An diesem Feiertag gedenken die Gläubigen ihrer Verstorbenen sowie ihrer Heiligen. Der Tag ist auch all den verstorbenen Kirchenvertretern gewidmet, die sich verdient gemacht haben, jedoch nie offiziell heilig gesprochen wurden.

Das Allerheiligenfest wird insgesamt schon seit dem 7. Jahrhundert gefeiert. In den katholischen Bundesländern ist Allerheiligen auch heute noch ein wichtiges Fest und ein gesetzlicher Feiertag.

Neben Allerheiligen ist auch Allerseelen am 2. November ein katholischer Gedenktag. Während Allerheiligen den Heiligen der katholischen Kirche gewidmet ist, gedenken an Allerseelen die Menschen all ihrer verstorbenen Angehörigen, Freunden und Bekannten. Allerseelen ist jedoch kein gesetzlicher Feiertag wie Allerheiligen.

Es ist üblich, an diesen Tagen die besonders schön geschmückten Gräber zu besuchen, Kerzen für die Verstorbenen anzuzünden und Fürbitten und Gebete für sie zu sprechen. Speziell wird für die Seelen der Verstorbenen gebetet, die noch nicht ganz im Licht sind oder – wie es aus Sicht der Kirche ist – die noch durch einem Reinigungsprozess gehen müssen, bevor sie ganz in den Gottwelten angelangt sind.

Die ursprünglichen Unterschiede dieser beiden Feiertage sind heute jedoch in vielen Regionen verwischt. Viele Gläubige gehen schon am 1. November zu den Gräbern und gehen anschließend mit der Familie feierlich zum Essen.

Traditionelle Bräuche

  • An Halloween stellt man ausgehöhlte und mit gruseligen Gesichtern versehene Kürbisse vor die Häuser, meist mit einer Kerze in der Mitte.
  • Um die Geister zu ehren, stellt man für sie Opfergaben nach draußen – Speisen und Getränke, von denen sie sich energetisch nähren können.
  • Kinder ziehen an Halloween verkleidet um die Häuser und fordern mit dem Spruch „Süßes, sonst gibt´s Saures“ Süßigkeiten ein. Der Brauch kam vor einigen Jahren
    aus den USA zu uns und ist eine moderne Abwandlung der früheren Opfergaben für die Geister. Die Kinder stehen stellvertretend für die umherziehenden Geister, die Süßigkeiten sind die Opfergaben.
  • uvm.

Samhain feiern

Hier findest du nun ein paar Ideen, wie du dein persönliches Samhain-Fest feiern kannst:

  • Sich mit der Ahnenreihe beschäftigen:
    Widme dich deiner Familie, deinen Ahnen. Beschäftige dich mit deinem Stammbaum. Welche deiner Vorfahren stehen dir innerlich sehr nah? Welche sind dir fremd? Mit welchen hast du emotional noch Probleme? Gibt es problematische Aspekte, die du transformieren könntest? Gibt es etwas zu verzeihen oder um Verzeihung zu bitten?
  • Die Ahnen ehren:
    Mache ein Ritual für deine Ahnen. Zünde für sie Kerzen an. Stelle ihre Bilder auf deinen Altar. Räuchere feine Räucherstoffe oder -stäbchen für sie. Danke ihnen, dass sie dir den Weg geebnet haben. Danke ihnen für alle positive Aspekte, die du von ihnen erhalten hast.
  • Leben, Sterben und Tod:
    Befasse dich mit dem Aspekt des Todes. Das Sterben und der Tod sind bei uns oft Tabuthemen, die viele Menschen lieber verdrängen. Doch wenn man sich damit beschäftig, verliert auch der Tod das Bedrohliche. Sprich auch in deiner Familie darüber, wenn deine Angehörigen dafür offen sind.
  • Deine Dunkelheit erforschen:
    Nimm dir Zeit, die dunklen Kammern deines Wesens, das Unterbewusste, zu erforschen. Habe keine Angst. In dem Moment, wo du Licht hineingibst, wird es leichter und du fühlst dich sehr befreit. Bei schweren Themen hole dir professionelle Unterstützung.
  • Opfergaben:
    Stelle, so wie es früher üblich war, einen Teller mit Speisen und Getränken für deine Ahnen vor das Haus oder auf den Balkon.

Impulsfragen

ABSCHLIESSEN UND LOSLASSEN

Samhain, dieses Fest des Übergangs und Neubeginns, lädt ein, offene Dinge abzuschließen und Ausgedientes loszulassen.

(1) Blicke auf dein Leben und überlege dir, was du gerne abschließen möchtest. Gibt es offene Baustellen, die du jetzt fertigstellen kannst? Es kann auch sein, dass du feststellst, dass dir etwas gar nicht mehr wichtig ist und du es beendest, indem du es einfach sein lässt? ~ Achte vor allem auf die ersten 3 Dinge, die dir spontan einfallen.

(2) Nun schaue auf das, was du gerne loslassen möchtest. Was hat ausgedient? Was möchtest du nicht mit in den Winter mitnehmen? Was nährt und wärmt dich nicht mehr? ~ Achte auch hier vor allem auf die ersten 3 Dinge, die dir spontan in den Sinn kommen .

POLARITÄT

Entdecke deine lichten und deine dunklen Seiten. Wie fühlst du dich in der Polarität zwischen deinem Licht und deiner Dunkelheit? Kannst du beide Seiten wahr- und annehmen? Halten sie sich die Waage oder neigst du dazu, Teile zu verdrängen?

AHNEN

Wenn du an deine Ahnen, die Verstorbenen in deiner Familie denkst, wie geht es dir mit ihnen? Kannst du ihnen danken für dein Da-Sein? Fühlst du dich mit deiner Ahnenreihe im Frieden oder gibt es Dinge, die du noch klären möchtest?

DANKEN

Wofür bist du deinen Ahnen dankbar? Schreibe alles auf, wofür du deiner Familie und deinen Ahnen dankbar bist.

~

Alles Liebe
Karin Myria


(Text: © Karin Myria Pickl, Fotos: pixabay, 31.10.2016)

 

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